Yvonnes Reisen

What a wonderful world!

Teeplantagen soweit das Auge reicht

Kaum in Tissamahara losgefahren, bitte ich den Fahrer auch schon wieder darum, kurz anzuhalten. Die Dagoba am Wegesrand fesselt meinen Blick und ist wohl eine der ältesten in Sri Lanka.

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Derweil kauft mein Fahrer Früchte für uns  – der Granatapfel ist in vier Teile aufgeschnitten, als er ihn mir überreicht. Etwas überfordert erkläre ich ihm, dass ich zu Hause die Kerne mit dem Löffel aus der Frucht löffle. Er lacht, schließlich sind wir hier im Dschungel und zeigt mir, wie man mit den Fingern jeden einzelnen Kern pult. Die nächste Stunde bin ich beschäftigt, fast meditativ führe ich Kern um Kern zum Mund und übe mich in Geduld.

Wir klettern mit unserem Auto unzählig viele Serpentinen weiter nach oben – schließlich liegt Nuwara Elija auf 200o Metern Höhe. Wir kommen an Wasserfällen vorbei, in dem die Menschen baden…

SONY DSC…halten an am Tempel zu Ehren des Affengeneral Hanuman, der hier allgegenwärtig ist. Er und sein Affenheer sind Teil des Ramayanaepos, einem der Grundpfeiler des Hinduismus. Als General seines Heeres wird er immer wieder als Helfer in der Not für seinen Herrn Rama und dessen Familie gebraucht.

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Die Landschaft ändert sich. An den Gemüseständen entdecke ich europäische Gemüsesorten und unternehme den Versuch zu erklären, dass es in Deutschland zu Weihnachten traditionell Rotkraut zum Gänsebraten gibt. Was heißt denn nochmal Gans auf englisch? Bigger than a duck – wir einigen uns auf Turkey, obwohl ich schon die Unterschiede zwischen einem Truthahn und einer Gans kenne. It dosn’t matter … Die Blumenhändler verkaufen Pelargonien und Petunien. Händler aus Colombo kaufen hier ein, im zu heißen Tiefland können die sehr beliebten europäischen Pflanzen nicht gezüchtet werden.
Erste Teeplantagen liegen auf unserem Weg und ich bekomme eine Ahnung …

Am Nachmittag erreichen wir unser Ziel: den Hill Club – ein Relikt aus der Zeit der britischen Kolonie und noch heute kann man hier Mitglied werden. Es gibt strenge Regeln. Hotelgäste werden als zeitweilige Mitglieder geführt, die Kleiderordnung für das Dinner ist unumstößlich : Herren mit Jacket und Krawatte, Damen entsprechend. Ungerechterweise können sich die Männer dies ausleihen. Damen haben das passende Kleid und Schuhe dabei oder einfach Pech.

Zunächst aber genieße ich stilvoll im Garten des Hotels den Five O’Clock Tea.

Später spaziere ich in den Ort, in dem die Zeit stehen geblieben scheint. Einst während der kolonialen Besetzung aufgrund des kühlen Klimas von den Briten entdeckt, deutet noch vieles auf diese Epoche hin. Der 1889 gegründete Golfclub nimmt einen großen Teil der Stadt ein. Es gibt eine Pferderennbahn – die wohl höchstgelegene der Welt – auf der noch heute Pferderennen stattfinden.

Ich besuche den 11 Hektar großen Victoria Park und genieße die Atmosphäre.

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Im alten Postamt kann man noch immer Depeschen aufgeben und Briefe in die weite Welt versenden.

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Dagegen nimmt sich im Zentrum der Stadt die New Bazaar Street typisch asiatisch quirlig und laut aus. Ich kaufe mir eine Tüte Peanuts – für ein Dinner im Hotel reicht meine Garderobe nicht aus – und tauche ein in das bunte Marktgeschehen.

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Viel zu früh wird es dunkel und ich spaziere zurück ins Hotel. Untertänig frag ich nach einem Wein in der Bar und werde gnädigst eingelassen. Solltet ihr euch einmal gefragt haben, was eigentlich aus dem Diener aus „Dinner for one“ geworden ist – ihr findet ihn hier, naserümpfend als ich nach einem Snack frage, den ich in der Bar zu mir nehmen wollte/ dürfte/ könnte. Es bleibt beim Wein und bald liege ich fröstelnd, die Wärmflasche dicht an mich gedrückt in meinem kolonialen Bett.

Der Blick aus meinem Zimmer

Der Blick aus meinem Zimmer

Am nächsten Morgen werde ich zum Frühstück doch in das ehrwürdige Restaurant eingelassen und bekomme sehr britisch Tee, Toast, Marmelade und Eier serviert.

9 Uhr wollen wir starten. Ich rolle gerade meinen Koffer aus der Tür, als ringsum alle zu Salzsäulen erstarren.  Wie in einem flash Mob steht alles für eine Minute komplett still. Meinen Fahrer später befragt, erfahre ich, dass es vereinzelt die Tradition gibt, vor Arbeitsbeginn eine Minute inne zu halten. Keine schlechte Art, einen hektischen Arbeitstag zu beginnen.

Heute führt uns unser Weg weiter nach Kandy, der Stadt der Könige,  in der ein Zahn Buddhas als wichtigstes Relikt des Buddhismus im Tempel aufbewahrt wird . Auch hier herrscht noch ein moderates Klima vor, wir klettern von 2000 Höhenmetern auf 500 Meter hinab.

Ehrfurchtsvoll sitze ich kerzengerade aufgerichtet auf meinem Beifahrersitz. Unbeschreiblich schön ist die Landschaft. Die Berge dicht bewachsen mit Teeplantagen, die ebenfalls die Engländer nach Sri Lanka gebracht haben, säumen den Weg. Viel zu schnell fahren wir durch das grüne Paradies. Allein mit dem Auto unterwegs, würde ich wohl an jedem overlook anhalten. Doch so passe ich mich dem Tempo des Fahrers an und bringe es nicht über mich, ihn nach Fotopausen zu befragen. Behalte so diese Eindrücke einfach nur im Kopf und besonders in meinem Herzen.

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Später halten wir an einer Teefabrik. Eine junge Frau führt uns durch die Produktion, die seit fast 200 Jahren den gleichen Prinzip folgt. Ich erfahre die Unterschiede zwischen schwarzen, grünen und weißen Tee und nehme mit, dass der angenehm milde Tee, der mir besonders gut schmeckt, aus größeren Blättern besteht – je kleiner die Blätter zerrieben werden, um so stärker wird der Tee und wird dann auch traditionell britisch am besten mit Milch getrunken . BOP ist die Qualitätsbeschreibung meine Lieblingstees – am liebsten unblended – also einfach pur.

Hinter der Fabrik darf ich einen Blick auf die Plantage werfen. Heute ist Sonntag, die Maschinen stehen still. Auf der Plantage ist nur eine ältere Pflückerin unterwegs, die gern für einige Rupien fotografiert werden möchte. Das Einkommen der Pflückerinnen ist noch immer sehr gering, nur die Sozialleistungen, die die Fabriken leisten, machen die Arbeit etwas lukrativer.

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Weiter geht es auf dem Weg nach Kandy. Es ist schon Mittag, als uns geschmückte Wagen mit jungen Männern entgegenkommen. Im nahegelegenen Hindutempel findet die sonntägliche Zeremonie statt. Kurzentschlossen fahren wir den Wagen nach. Der Tempel ist schon gut gefüllt. Mitklatschend begleiten die Gläubigen die vom Band eingespielte Kirtan Musik. Spenden in Form von Früchten, Blumen und auch Geld werden gesammelt und sortiert. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen, die Gläubigen werden gesegnet. Alles scheint ein bisschen durcheinander und hat doch ein System. Der Tempel wird immer voller, kein Ende ist abzusehen. Ich nehme beim Verlassen die Atmosphäre tief in mich auf.

Unser Hotel für die nächsten zwei Nächte liegt etwas außerhalb von Kandy und ist auch eher sehr touristisch. Ich lasse mir keine Zeit zum drüber ärgern, kann es nun auch nicht mehr ändern. Kurze Zeit später fahren wir auch schon wieder in die Stadt hinunter und finden einen Parkplatz in der Nähe des Tempels.

ich kann es nicht fassen, dass ich zugesagt habe, an einer Aufführung der berühmten Kandy-Tänze teilzunehmen- eigentlich ist das sogar nicht mein Geschmack. Aber irgendwie glaube ich, mein Fahrer wäre enttäuscht und so  kaufen  wir eine Karte für mich und dann habe ich etwas Zeit, die Stadt auf mich wirken zu lassen. Chaotisch scheint sie, wenig liebenswert auf den ersten Blick. Wie schon in Galle versuche ich hier, in einer Kirche meinem Ritual folgend, eine Kerze anzuzünden. Hier scheitert es daran, dass mich jeder der, den ich nach St. Andrews befrage, in eine andere Richtung schickt. Vermutlich gilt es hier als unhöflich, keine Antwort zu geben , dann lieber eine falsche.

Die Zeit ist zu schnell um. Schon sitze ich in der vierten Reihe und sehe mir die Kandy-Tänze an und kann mich irgendwann der Grazie der Tänzerinnen und dem Kick des Feuerlaufes dann doch nicht entziehen.

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Gegen 18 Uhr ist die Aufführung vorbei. 18.30 Uhr wird im Zahntempel der Raum geöffnet, in dem sich das Relikt in einem goldenen Schrein befindet. So stellen wir uns in die lange Schlange derer an, die einen kurzen Blick auf den heiligen Schrein erhaschen wollen. Trommeln leiten die Zeremonie ein. Auch hier ist es quirlig, unfassbar viele Gläubige opfern Obst und Blumen. Einheimische und Touristen gehen an der Schlange vorbei. Ich nutze die Zeit, in ihren Gesichtern zu lesen – genervte Touristen, die ihr Progamm abarbeiten wollen und alles und jeden fotografieren , mischen sich mit den Religionsinteressierten, die sich alles genau vom Guide erklären lassen und den Gläubigen, die Opfergaben fest in der Hand haltend . Es ist ein bisschen wie im Turm zu Babel. Dann setzt sich die Schlange in Bewegung und wir gehen angemessenen Schrittes an der Reliquie vorbei.

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Bald wieder auf dem Vorplatz stehend nehme ich mir vor, am nächsten Tag noch einmal in Ruhe den Tempel auf mich wirken zu lassen.

Fortsetzung folgt

 

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  1. Christine

    Ich bin überwältigt von deinen Berichten.und Fotos

  2. Wahnsinn – eine völlig andere Welt.
    Danke, dass du uns auf dem Laufenden hältst mit deinen Impressionen und spannenden Informationen – dass es beispielsweise auch heutzutage noch einen Zahn Buddhas als Reliquie zu bewundern gibt, das wusste ich bisher auch noch nicht.
    Weiterhin viele gute Eindrücke wünsche ich dir!

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