Yvonnes Reisen

What a wonderful world!

Tasmanien – grüner Smaragd Australiens

Die südlichste Insel Australiens stand von Beginn meiner Reiseplanung an auf meinem Zettel – türkisblaues Meer, dichte Wälder, eine entspannte Bundeshauptstadt und das wohl spannendste Museum Australiens lockten mich an.

 

Der Wetterbericht für die nächsten Tage schreckt mich allerdings ab. Fast, ja fast hatte ich den Flug nach Auckland schon gebucht, wenn da nicht diese Bilder in meinem Kopf wären. Kurzentschlossen drücke ich die Enter-Taste: vom 12. bis 16. April bin ich zu Gast auf Australiens größter Insel, die die Einwohner liebevoll Tassi nennen.

Neunzig Minuten dauert der Flug von Sydney nach Hobart, übrigens nach Sydney die zweitälteste Stadt Australiens. Von den knapp 500.000 Einwohnern Tasmaniens leben hier ca. 220.000.

Die Insel begrüßt mich erwartungsgemäss mit leichtem Regen. Ich gönne mir ein Taxi zu meiner Unterkunft. Der Fahrer ist sehr aufgeschlossen und so gibt es eine kleine Stadtgeschichte und jede Menge Infos gratis dazu. Als wir die Tasman Bridge überqueren, um in die City zu gelangen, lässt der. Regen nach und es spannt sich ein großer Regenbogen am Himmel auf. Die Insel ist mir schon jetzt sympathisch.

Auch hier habe ich mich für eine AirBnB- Privatunterkunft entschieden. In dem zauberhaften Haus von Danielle erwarten mich eine Flasche Pinot noir und Schokolade: „Enjoy the tassie Pinot“ steht auf einem Zettel. „Home away from home“ freue ich mich, stelle meinen Rucksack ab und los gehts.

Nach einem kurzen Spaziergang erreiche ich das Hafenviertel, spaziere entlang des historischen Salamanca Platz, wo sich Galerien, Restaurants, Buchhandlungen und Boutiquen aneinanderreihen. Laufe runter zum Hafen, um bei Fish Frenzy ganz traditionell und lecker Fish & Chips zu verputzen und dann in einem weiten Bogen zurück nach Hause, um direkt in meinem Bett zu verschwinden.

Am nächsten Morgen bin ich zeitig unterwegs. Für die drei Tage habe ich mir einen Mietwagen gebucht, die beste Variante, um Tasmanien zu erkunden.
Die Übernahme dauert keine drei Minuten und ist so unkompliziert wie alles hier. Der Autoschlüssel wird mir ausgehändigt mit einer Handbewegung auf eines der parkenden Autos am Straßenrand. Mein ungläubiger Blick amüsiert den AVIS-Mitarbeiter: „DAS Auto werden Sie auf jeden Parkplatz wiederfinden“. Da hat er wohl recht, ein quietschgrüner (oder ist das doch eher gelb) Toyota Corolla wartet fröhlich auf mich.

Erstmal geht es gar nicht so weit: Der Mount Wellington, Hausberg von Hobart, 1.271 Meter hoch, lockt mit spektakulären Blicken vom Gipfel und verschiedenen Wanderwegen dorthin. Auf dem Parkplatz von The Springs stelle ich fest, dass der Haupttrack wegen Hubschrauberarbeiten gesperrt ist. Hilfesuchend wende ich mich an eine Dame mit Klemmbrett in der Hand, die bereitwillig Auskunft gibt. Ja na klar kommt man zum Gipfel, sie laufen erst links vom Hauptweg bis zum Sphinx Rocks, queren dann den Pinnacle Track und erreichen von dort den Sawaill Trail, spöter laufen sie ein Stück zurück auf den Organ Pipes bis sie den Zic Zac Track erreichen und dann ist es nicht mehr weit bis zum Gipfel. Alles klar denke ich mir und das ich den Gipfel nie erreichen werde. Doch sie ist zuversichtlich, gibt mir die Karte mit und los gehts. Der Weg ist wunderschön, gesäumt von so vielen Eukalyptusbäumen, dass ich bis ans Ende meiner Tage keine Erkältung mehr haben werde. Entgegen jeder Wettervorhersage strahlt ein stahlblauer Himmel über mir und die Sonne bricht ihr Licht durch die Baumkronen auf weissgraue Steine und saftiggrünes Moos.


Schon der Ausblick am Spinxs Rock auf das vor mir liegende Meer ist spektakulär.

Der nun beginnende Trail geht sehr steinig sehr steil bergan und ich verfluche mich, meine Wanderstöcke im Büro der Autovermietung liegen gelassen zu haben.

Unterwegs treffe ich immer mal wieder auf Wanderer, die alle für einen kurzen Plausch zu haben sind. Und tatsächlich finde ich den beschriebenen Weg und stehe atemlos – in jeder Hinsicht – auf dem Gipfel. Was für eine Aussicht …

Kurze Zeit später wage ich mich an den Abstieg mit dem schönen Namen „Panorama Track“. Ich konzentriere mich stark auf den Weg, der wohl eher ein schmaler Bach ist. Meine Schuhe sind keinesfalls zu retten und meine Nerven liegen blank.

Endlich erreiche ich die Strasse und wandere zurück zu meinem Auto. An einem kleinen Cafewagen lasse ich mich mit einem Seufzer der Erleichterung in die Sitzkissen fallen, was für allgemeine Erheiterung sorgt.

Zurück im Quartier dusche ich nur kurz und dann geht es wieder los, denn Freitag Abend gibt es in Hobart „Fandango“ – Livemusik Im Hof des Salamanca Art Centers. Schmunzelnd nehme ich auf dem Weg ins Zentrum die Blicke der Menschen wahr. Oben herum eingehüllt in Sommerdaune und Schal schauen meine Füße nackig aus den Sandalen hervor. Nun ja – meine einzigen festen Schuhe trocknen gerade nach einem intensiven Waschvorgang.

Der Hof, wunderschön umrahmt von Natursteinen, ist schon gut gefüllt, als ich ihn erreiche. Mit einem Glas Wein in der Hand schiebe ich mich nach vorn durch. Die Funkband Mr. Coconut reißt alle mit. Menschen jeden Alters wiegen zumindest mit den Hüften oder rocken richtig ab und ich mittendrin. Am meisten beeindruckt mich ein älterer Herr, der zu den Klängen der Musik tanzt.


Die beiden jungen Frauen neben mir erkennen mich wieder. Wir sind uns heute auf den Wanderwegen begegnet.
Als die Musik hier zu Ende geht, ziehen wir zu viert weiter. Angeführt von dem tanzenden Herr, der in Hobart zu Hause ist, geht es zur nächsten Bühne. Der Street Eats&Franko Market im Zentrum von Hobart präsentiert nicht nur leckerstes Streetfood, sondern auch tolle Livemusik. Irgendwann werde ich dann aber doch müde, nehme vietnamesische Brötchen auf die Hand mit und trolle mich in mein Bett.

Das Wetter meint es auch am nächsten Tag noch immer gut mit mir. Samstag morgen ist Salamanca Market, den ich mir natürlich nicht entgehen lasse.
Streetmusik, Stände mit Kunsthandwerk, aber auch lokales Obst,Gemüse und Blumen locken die Menschen von nah und fern an und verbringen einen entspannten Vormittag hier.

Später begeben ich mich auf eine kleine Zeitreise durch Battery Point, einem historischem Viertel mit engen Gässchen und Cottages, bewundere Stockrosen, schnuppere an duftenden Edelrosen

und pünktlich zum Beginn des Regens steige ich in mein kleines gelbes Gefährt und begeben mich zur MONA.

Das Museum von David. Walsh, einem Tasmanier, von dem hier jeder weiss, dass er sein Geld beim professionelle Glücksspiel verdient hat, befindet sich etwas ausserhalb Hobarts wunderschön in einer Bucht gelegen. Zu dem Gesamtkomplex gehören neben dem Museum ein eigenes Weinanbaugebiet, ein Hotel, ein Cafe und ein Restaurant.

Der Name Mona steht für „Museum für Alte und Neue Kunst“, 75 Millionen Dollar hat sein Besitzer investiert. Ich suche den Eingang, überquere dabei ein eigenartig deplatziertes Tennisfeld und stehe plötzlich vor einem unscheinbar schwarzen Eingang. Um den Anfang des Museum zu erreichen, geht es erstmal mit dem Fahrstuhl in die Tiefe. Fasziniert bleibe ich am „Bit fall“ stehen, eine Computeranimation von Julius Popp, der in Leipzig lebt und arbeitet. Kaum mit der Kamera festzuhalten, sind die Wörter, die aus dem Wasserfall aufpoppen. Suchbegriffe, die am häufigsten bei Google eingegeben werden, sind hier zu sehen. Eine Metapher für die Überforderung durch die Informationsflut?

Die Ausstellung ist interaktiv. Ich laufe mit einem IPod durch die Räume, erfahre dabei viel über die Exponate und kann gleichzeitig voten: „love“ oder „hate“ stehen zur Auswahl. Später erst lese ich, dass es dem Inhaber eher darum geht, die Stücke, die besonders gut gefallen, aus der Ausstellung zu nehmen, Er ist ein Provokateur und nennt seine Austellung selbst: „subversives Disneyland für Erwachsene“ Und genau das geht mir durch den Kopf, als ich mich durch die Räume langsam wieder nach oben arbeite. Ist das noch Kunst oder noch weiter gedacht: Was ist eigentlich Kunst?“ Ich komme vorbei an einer langen Wand, an der sich 150 Porzellanabgüsse von Mösen befinden. Will ich das wirklich sehen? In einem weiteren Raum entdecke ich eine Serie von gläsernen Reagenzgläsern und Vakuumpumpen und es dauert eine Weile, bis ich begreife, dass es sich hier um eine Verdauungsmaschine handelt. Zweimal am Tag wird diese gefüttert und scheidet einige Stunden später ein Verdauungsprodukt aus, das entsetzlich stinkt. Wissenschaftliches Experiment oder eine Aussage im Sinne von „Ich sch… auf die Kunst“. Ich weiss es nicht. Spannend finde ich das „Traumhirn“ von Gregory Barsamian. Ein riesiger Bronzeschädel mit drei Öffnungen zum Hineinschauen, drin schießen Lichtblitze durch das Hirn, verschiedenste Bilder flackern in Bruchstücken von Sekunden auf -irre was in so einem Schädel alles zu entdecken ist. Das mahnt mich, es doch mal wieder mit Meditation zu versuchen, um meinem Gehirn hin und wieder Pausen zu gönnen.
Dazwischen entdecke ich immer mal wieder auch „alte“ Kunst aus Ägypten und Griechenland, Zeit zum durchatmen.
Das Glas Sauvignon Blanc, dass ich mir in der schicken Museumsbar gönne, habe ich mir hart verdient.

Erschöpft komme ich heute nicht mehr sehr weit. Nur 30 Autominuten entfernt liegt das zauberhafte Richmond. Historische Gebäude aus den 1820 Jahren säumen die Hauptstraße und eigentlich erwarte ich jeden Moment, die Pferdekutschen um die Ecke biegen zu sehen. Wunderschön im Valley gelegen, lädt mich die Stadt förmlich ein, zu verweilen.

Und so wähle ich die Telefonnummer, die am Bridge Cottage aus dem Jahre 1823 steht, um mich für die Nacht einzumieten. Es gibt einen kleinen Feuerofen, Portwein und Schokolade sind angerichtet – noch schnell in dem hübschen Restaurant nebenan etwas essen und dann hier vor dem Kamin entspannen. Spontane Entscheidungen können sooo schön sein.

 

Am nächsten Morgen geht es zeitig los – mein Ziel : die Wineglass Bay im Freycinet Nationalpark. Auch heute scheint jeder Wettervorhersage zum Trotz die Sonne, auf dem Parkplatz des Nationalparks begrüßt mich fröhlich ein Känguru und ich freue mich auf die Wanderung zum Look out.

Zunächst füttere ich einen Briefumschlag mit Dollar als Entrittsgeld für den Nationalpark und lege ihn in die Kasse des Vertrauens.
Dann geht es zunächst steil bergauf zur Aussicht auf die Bucht, die tatsächlich einem Weinglas ähnelt, in dem herrlich türkisblaues Meerwasser perlt.

Die Aussicht oben teile ich mir mit einer Reihe von Asiaten, den Abstieg in die Bucht habe ich für mich allein. Ein menschenleerer langer Sandstrand lädt zum spazieren ein.

Einziger Wermutstropfen, er liegt auf der anderen Seite des Berges und so geht es denn erst wieder nach oben, um dann direkt wieder abzusteigen.

Nach der Fitnesseinheit habe ich mir eine leckeres Essen mehr als verdient. So lasse ich es richtig krachen:

In meiner heutigen Unterkunft macht die Besitzerin so richtig Werbung für Netflix, das wir hier nutzen können. Draußen ist es dunkel und kalt und nach drei Monaten Fernsehfrei gönne ich mir einen Serienabend mit den Gilmore Girls (nie zuvor davon gehört) und bin herrlich faul…

Am nächsten Morgen geht es die 200 Kilometer auf direktem Weg zum Flughafen. Good Bye Australia – nur gut, dass es beim Umsteigen in Melbourne regnet. Das macht mir den Abschied leichter (oder doch nicht).
Du wunderbares vielseitiges Land – wir sehen uns wieder, auf jeden Fall …

 

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Blue Mountains – hike, art and coffee

  1. Marianne

    Wow, liebe Yvonne! Wie immer grandios beschrieben, Du gibst mir das Gefühl, selbst da gewesen zu sein. Danke, Danke, Danke!

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