Yvonnes Reisen

What a wonderful world!

La Isla bonita …

…so wird sie genannt oder auch „Isla verde“ – grüne Insel.
Gemeint ist damit La Palma, die fünftgrößte der Kanarischen Inseln und in diesem Jahr Ziel meiner Weihnachtsreise.

Wirklich geplant war das nicht. Nach vier Jahreswechseln am Indischen Ozean wollte ich eigentlich ganz gemütlich das Jahr zu Hause ausklingen lassen, bis… – ja bis eine Freundin im November über La Palma sprach und wie schön es doch dort sei.
Die späte Stunde und der Rotwein taten ihr übriges und noch in jener Nacht fand ich im Skyscanner den passenden Flug für mich – ab/ an Berlin und damit war es beschlossene Sache. Ich gebe ehrlich zu, nie vorher hatte ich so wenig Ahnung von einem Ziel, das ich bereisen werde. Und da mir die Vorstellung gefiel, mich einfach auch nur mal treiben zu lassen, beließ ich es tatsächlich dabei, mir zwei Unterkünfte auf der Insel zu buchen. Eines in den Bergen und eines am Meer und noch einen Mietwagen dazu – das war es.
In den Koffer packte ich neben Wander- und Yogaklamotten Bücher und meinen Laptop und freute mich auf Weihnachten ohne Weihnachten – viel lesen, reflektieren, endlich mal wieder die Muskeln beim Yoga dehnen und beim Wandern anstrengen. Herrliche Aussichten.

Am Vorweihnachtsnachmittag lande ich auf La Palma. Schöner hätte die Begrüßung nicht sein können. Noch vom Rollfeld aus legt sich das Meer zu meinen Füßen, die Wolken darüber verschmelzen mit dem Wasser zu einer harmonischen Einheit. Der warme Wind hüllt mich ein und das schwarze Gestein der vulkanischen Berginsel fasziniert mich mit seinem Kontrast zum blauen Meer. Was hier so klingen mag wie eine Beschreibung aus Rosamunde Pilchers besten Zeiten, andere Worte dafür würden dieser Naturschönheit aus meiner Sicht nicht genügen.

Kurze Zeit später rolle ich mit meinem kleinen Mietwagen vom Flughafen-Parkplatz Richtung Südspitze der Insel. Für die Landschaft habe ich leider erst einmal wenig Aufmerksamkeit übrig. Die Autofahrt ist gewöhnungsbedürftig, denn die Straßen weisen aufgrund des großen Höhenunterschiedes auf engstem Raum extrem viele und steile Kurven auf. Das Serpentinenfahren strengt ganz schön an, mehr als der zweite Gang ist oft nicht drin. Ich fahre Straßen hinunter, von denen ich glaube, sie führen direkt im 90 Grad Winkel ins Meer und bin dankbar für die Erdanziehungskraft, die mein Auto und mich auf der Straße hält. Glücklicherweise ist unterwegs wenig Verkehr und nach und nach gönne ich mir einen kurzen Seitenblick auf das Meer.

Bevor ich meine Unterkunft erreiche, kaufe ich noch Proviant für den Abend ein. Mehr intuitiv als tatsächlich geplant, habe ich mich für ein Appartement mit kompletter Selbstversorgung entschieden – auch das eine völlig neue Erfahrung.

Es ist fast schon dunkel, als ich endlich ankomme. Der Wirt fährt mit seinem Auto vor bzw. einen Weg hinab, von dem ich noch keine blasse Idee habe, wie mein kleines Auto und ich hier je wieder hochkommen werden. Kurze Schlüsselübergabe – weg ist er.

Und ich stehe staunend auf meiner Terrasse und sehe das Meer glühen. Davor die Palmen in allerschönster Weihnachtsbeleuchtung – ich bin angekommen.

Am nächsten Morgen inspiziere ich die Umgebung. Klettere hoch und runter – so etwas wie gerade Wege gibt es hier nicht – und bestaune noch immer die Landschaft.

Irgendwann siegt die Vernunft: für einen gemütlichen Aufenthalt die nächsten Tage fehlt dann doch noch einiges und bevor die Geschäfte schließen, fahre ich zur nächsten größeren Ortschaft. Ich lande in Los Llanos de Aridane, der „heimlichen Hauptstadt“ von La Palma. Und während ich unterwegs kaum einem Auto begegnet bin, mache ich nun meine ersten Erfahrungen mit einer überfüllten kanarischen Tiefgarage.

Das Flair dieser zauberhaften Kleinstadt versöhnt mich bald. Auf der Plaza Espana treffen sich die Palmeros und die Touristen auf einen Kaffee solo oder einfach nur zum plaudern. Keine Hektik, kein Weihnachtsstress –Entspannung pur. Ob es an den milden Temperaturen liegen mag, an der Farbenpracht der Blumen ringsum oder einfach an der Einstellung zum Leben?

Im Supermercado erledige ich meine Einkäufe und fahre bald weiter die Küste entlang.

„Klein-Paris“ wurde Tazacorte einstmals benannt. Grund dafür ist, dass diese Gegend bei der Eroberung durch die Spanier im 15. Jahrhundert als „Filetstück“ galt. Hier scheint fast immer die Sonne (und das ist nicht auf der ganzen Insel so) Durch die Berge gibt es genügend Wasser – ideale Voraussetzungen für den Anbau des damals so kostbaren Zuckers. Heute befinden sich hier die ertragreichsten Bananen-Plantagen der Insel. Die grünen Felder reichen bis zum Meer hinunter.

Ich erlebe Tazacorte als ein kleines, hübsches Örtchen mit vielen schmalen Gassen und historischen Bauten. Auf der Promenade gönne ich mir eine Rast und einen leckeren Salat.

Für den Rückweg lasse ich mir viel Zeit, halte unterwegs an, um einen Blick über das Meer zu werfen, das mich immer wieder aufs neu fasziniert.

Am frühen Abend komme ich zurück, Teelichter zaubern warme Stimmung in mein Zimmer mit Ausblick. Ich kuschle mich mit einem Buch und einem Glas einheimischen Rotweins auf meine Couch – und so ist auch für mich der Abend heilig.

– Auf der Vulkanroute – Fortsetzung folgt

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  1. Marita

    Klingt ja wunderbar und macht Lust auf mehr Berichte und auf mehr von La Palma

  2. Ulli

    Danke für Deinen Bericht Du Reisemaus !!!! Viel Freude und schöne Erlebnisse noch . LG Ulli

  3. Suse

    Liebe Yvonne, wir waren vor 2 Jahren auf La Palma oder sind es schon 3 Jahre her.. Seid dieser Zeit hab eich auf meinem Handy immer noch das Wetter von La Palma, um nicht zu vergessen, dass ich dort unbedingt noch einige Wanderrouten entdecken möchte. Ich genieße Deinen Bericht, der mich mitnimmt in die wundervolle und besondere Landschaft. Danke für Deine Einblicke und laß uns bitte weiter teilhaben….

    • Yvonne

      Gestern hab ich mir einen roadtrip um die Insel gegönnt. Danach war mir schwindlig vom Serpentinenfahren, doch die Insel ist es absolut wert – unfassbar schön …

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