Yvonnes Reisen

What a wonderful world!

Meine Kathedrale ist das Meer – ein Sylt-Tagebuch

Spätestens heute Abend bei meiner Wanderung am Meer, als die Sonne glutrot in diesem verschwand und eigentlich nur die Filmmusik eines Sonntag-Abend-Herzkino-Films fehlte, ist mir das einmal mehr wieder bewußt geworden:  wieviel Energie und Kraft mir das Meer gibt, mein Lebenselixier ist.

Dabei war nicht klar, ob ich überhaupt würde fahren können. Die Tage auf Sylt waren lange geplant. Über meinen Coach hatte ich Christoph Wenter kennengelernt. „Ein Münchner auf Sylt“. Seine Frau und er sind vor mehr als einem Jahr auf die Insel gekommen. Die Geschichte dazu ist spannend, noch dazu bietet er Vorträge an zum Thema Mimikresonanz, was mich von Berufswegen sehr interessiert. Schon hatte ich mal mindestens zwei gute Gründe nach Sylt zu fahren: um ein Podcast-Interview mit Christoph zu machen und mehr über die Emotionen zu lernen, die sich durch Mimik ausdrücken. Doch tief in meinem Herzen wußte ich – es ist mal wieder Zeit, ans Meer zu fahren.

Zwei Wochen vor meiner Abreise begannen die Schmerzen. Stiche im Hinterkopf – bald schon im Minutentakt – setzen mich außer Gefecht. Es begann schleichend während eines Seminars, das ich in Hamburg gehalten habe und wurde auf der Rückfahrt von Hamburg nach Leipzig fast unkontrollierbar. Nie zuvor war ich so glücklich, zu Hause angekommen zu sein.

Die Schmerzen waren auch am nächsten Tag noch da, dazu gesellten sich eigenartige Bläschen an der Schläfe. Eine Freundin mit heilkundlichen Erfahrungen sah sich das an und fackelte nicht lange. Kurze Zeit später saßen wir an diesem Samstag Nachmittag gemeinsam in der Notaufnahme der Uni. Ihr Verdacht bestätigte sich: Gürtelrose unter Einbeziehung des Auges.  Obwohl ich es mir schon lange abgewöhnt haben wollte, war google einmal wieder mein bester Freund. Und nichts davon, was ich las, hörte sich irgendwie ermutigend an.

Einmal komplett aus dem Verkehr gezogen. Der Körper verlangte mit voller Wucht meine konzentrierte Aufmerksamkeit. Mein rechtes Auge war so zugeschwollen, dass ich Quasimodo in nichts nachstand. Das Areal rings um das Auge schmerzte nicht nur bei jeder Berührung. Unter meiner Haut pulsierte, krabbelte, drückte und spannte es und gleichzeitig fühlte sich alles total taub an.

Die Schulmedizin sagt, den Virus trägt jeder von uns in sich. Wenn das Immunsystem geschwächt ist, kann die Krankheit zum Ausbruch kommen. Stress als Auslöser. Die Psychosomatik geht tiefer rein. Was ist es, was mich wirklich belastet? Bin ich noch auf dem richtigen Weg? Immer wieder erzähle ich meinen Klienten und Teilnehmern in den Seminaren: „Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben. Nur wenn du in deiner Kraft bist, kannst du auch andere in ihre Kraft bringen.“ Für mich galt das vermutlich nicht, längst war es an der Zeit, zurück in meine Mitte zu kommen und den Kompass neu auszurichten. Zeit für Reflexion hatte ich nun genug und trotzdem war es gar nicht so einfach. Ich konnte weder lesen, noch mich auf den Bildschirm konzentrieren oder etwas Sinnvolles schreiben. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich verstanden habe, es geht ums einfach sein, darum, wieder gelassener zu werden. Eine Freundin hat es so passend formuliert: „Wann hast du dir das letzte Mal wirklich selbst zugehört?“. Ganz oft sind wir so sehr im Außen, dass wir die eigene Stimme nicht mehr hören und dann wird sie lauter und lauter, bis wir sie nicht mehr überhören können. So sagte ich alles ab und zog mich zurück.

Nur Sylt konnte ich nicht absagen, das Hotel und der Autozug waren verbindlich gebucht. Stornierung unmöglich. Jeden Tag hoffte ich darauf, dass es besser werden würde. Jeden Tag wachte ich mit den gleichen Nervenschmerzen wieder auf. Der Abreisetag rückte näher und näher. Zwei Tage vorher prophezeite mir meine Schwester: „So wie ich dich kenne, fährst du sowieso.“  Damit war die Entscheidung gefallen. Ich nehme meine Gürtelrose einfach mit und wer weiß, vielleicht verflüchtigt sie sich im Nordseewind.

Fortsetzung folgt…

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Rückkehr von der Weltreise

  1. Marion

    Liebe Yvonne, schön von Dir zu lesen – auch wenn der Inhalt beunruhigend klingt. Ich wünsche Dir sehr, dass das Meer und diese wunderbare Insel Deine Heilung vorantreiben und Du bald wieder ohne Schmerzen sein kannst! Liebe Grüße Marion

  2. Wow, liebe Yvonne! Chapeau vor Deiner Offenheit und Ehrlichkeirt! Ich wünsche Dir von Herzen weiterhin gute Gesundung und freue mich auf ein Wiedersehen. Herzliche Grüße, Marianne

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