Yvonnes Reisen

What a wonderful world!

Mein Schreibtisch mit Blick aufs Meer

Heute morgen erinnere mich einmal wieder an ein Sprichwort aus dem französischen, das mich schon seit vielen Jahren begleitet: „Zu dem, der warten kann, kommt alles mit der Zeit“. Denn nun sitze ich tatsächlich an meinem „Schreibtisch am Meer, an dem ich übers Leben nachdenken kann „.

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So war es ursprünglich geplant, 5 Wochen lang, geworden sind daraus nun 3 Tage am wohl schönsten Platz hier in Galle mit Blick auf die Wiesen der Festungsmauer und dem blauen Meer dahinter. Neben mir – stilecht, denn Galle war einst eine britische Kolonie – eine Kanne mit schwarzen Tee. Unmittelbar in meiner Nähe, auf dem Geländer sitzend, krächzt ein schwarzer Rabe, erregt meine Aufmerksamkeit und motiviert mich zum virtuellen nachschlagen. Es überrascht mich wenig, was ich über den schwarzen Vogel lese:

„Wenn das Krafttier Rabe als Lehrmeister zu uns kommt, sind wir dazu aufgefordert, auf spielerische Weise neue Möglichkeiten zu erproben, intelligente Lösungen zu finden, und mit der Kraft des Vorhersehens auch schwierige Situationen zu meistern“. So sei es …

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Drei Tage ist das neue Jahr schon wieder alt. In Gedanken springe ich noch einmal zurück zum Silvesterabend, der beinahe einem Tropenregen zum Opfer gefallen wäre. Umso überraschter sind wir, als wir nach dem Wolkenbruch hinaustreten. Liebevoll gedeckte Tische erwarten uns auf der Wiese. Hunderte von Kerzen tauchen den Garten in ein zauberhaftes Licht. Die Stimmung ist gelöst, dem Anlass entsprechend gibt es statt Kräutertee Longdrinks und die Köche verwöhnen uns mit  einem Barbecue.

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Die traditionellen landestypischen Tänze im Anschluss sind Geschmackssache. Mit einem Strandspaziergang vertreiben wir uns die Zeit bis Mitternacht, schauen bei den Strandpartys vorbei und natürlich finde ich ein Feuer, um traditionell „mein Jahr 2016“ den Flammen zu übergeben und abzuschließen.

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Mit den Füßen im Indischen Ozean stoßen wir auf das Neue Jahr an. Das Feuerwerk ist irrsinnig laut, soll es doch die bösen Geister vertreiben. Bei dieser Lautstärke ist das ganz sicher gelungen – Glück für uns.

Später setzen wir uns noch mit einem Wein an den Strand, lauschen der Musik von nebenan und schmieden Pläne, vielleicht sogar ein gemeinsames Projekt. Gab es da nicht noch ein Sprichwort mit „den Türen, die aufgehen, wenn andere sich schließen…“ Ich mag das neue Jahr schon jetzt.

Am Neujahrstag machen wir einen letzten gemeinsamen Ausflug. Ich wollte gern sehen, wie der Bungalow am Meer ausgesehen hätte, den ich nun zugunsten meiner neuen Pläne storniert habe. Nach einer halben Stunde sind wir am Ziel und ich heilfroh, auf meine innere Stimme gehört zu haben. Statt der versprochenen Lagune erwartet uns ein stinkender Kanal und auch sonst verheißt die Anlage keinerlei Raum für Kreativität. Schnell verlassen wir diesen Ort wieder, der wenig schönes zu bieten hat.

Ganz in der Nähe finden wir dann doch noch unser persönliches Highlight für den Tag.  Der Weherahena Purvarama Raja Maha Vihara Tempel zählt zu den wichtigsten Heiligtümern des Südens und die  39 m hohe Buddha-Statue zu den höchsten in Sri Lanka. Fasziniert sind wir aber eher von den Malereien und der plastischen „Tafelrunde“ im Inneren des Tempels. Wir lassen uns ein wenig gefangen nehmen von der ganz besonderen Stimmung, die heute hier herrscht, wenn die Gläubigen am Neujahr ihre Opfergaben an Buddha übergeben.

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Am Abend treffen wir den Juwelier, den wir vor einigen Tagen hier kennengelernt haben und der uns seinen außergewöhnlichen Schmuck präsentierte. Diesmal ist es weniger die Elster in mir, als eine ganz besondere Verbindung, die ich zu dem Ring mit einem blauen Topas spüre und weiß, dass dies mein Stein für 2017 ist.  Später lese ich nach und verstehe …

„Topas fördert die Selbstbestimmung und den Freiheitsdrang. Alles was einen Menschen sich selbst näher bringt, wird vom Topas unterstützt. Er verschafft uns mehr Klarheit über unsere Bedürfnisse und Wünsche und kräftigt unsere Seele sogar so stark, dass wir uns besser von konservativen und veralteten Lebensvorstellungen befreien können und die Kraft haben, mit der Zeit zu gehen.“

Dies inspiriert mich dazu, zum Ring noch den passenden Anhänger zu bestellen.Die Übergabe findet am nächsten Morgen am Meer statt. Einen schöneren Ort dafür könnte ich mir nicht vorstellen.

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Und dann ist alles schon wieder zum letzten Mal: die letzte Yogastunde mit Blick in die Palmenkronen, das letzte Frühstück mit den so geliebten Rottis, der letzte Strandspaziergang.

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Der Fahrer wartet pünktlich vor der Tür. Ich fahre nicht allein. Eine Urlaubsbekannte möchte ihren letzten Tag gern in Galle verbringen und wird mich heute begleiten. Oder eher ich sie – denn ich bin ja schon ein alter „Galle“- Hase.

Meine Pension hat eine tolle Lage. Ich schaue direkt auf das Meer. Es gibt eine Dachterrasse , die eigentlich nichts anderes als ein Flachdach mit Austritt ist, aber der Ausblick ist unschlagbar.

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Über das in die Jahre gekommene , leider auch nicht wirklich saubere Zimmer schweige ich einfach mal hinweg.

Schnell checke ich ein und wir spazieren los. Meine Begleiterin ist ebenfalls ganz hingerissen von dem kleinen kolonial anmutenden Ort. Es ist wie überall hier in den Dörfern und kleinen Städten und doch komplett anders. Alles ein wenig unaufgeregt , ein wenig schmutzig und unfertig und trotzdem mit diesem ganz besonderen Charme, dem wir verfallen.

Wir bummeln durch die Geschäfte. Auch hier sind Juweliere vorherrschend. Viele der in Sri Lanka angebauten Halbedelsteine werden direkt im Land verarbeitet.
Auch dieser Tag vergeht schnell und bald schon bin ich allein und bewundre das noch einmal aufflammende Licht über dem Meer, bevor es dunkel wird.

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Früh am nächsten Morgen spaziere ich auf den Mauern des ehemaligen Forts. Noch sind mit mir nur wenige Einheimische unterwegs, die ihre Fitnessübungen absolvieren. Ein riesiger Affe springt aus dem Baum, schaukelt auf der Stromleitung, bevor er über das nächste Hausdach verschwindet.

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Asien live und in Farbe.

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Mein einheimisches Frühstück wird mir inklusive des umwerfenden Blicks serviert…

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… bevor ich den Tisch zum Schreibtisch umfunktioniere…

 

 

 

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  1. Na, das ist ja wirklich wieder spannend – welche „Zeichen“ uns das Leben manchmal so schickt … Und wenn der Empfänger sie dann auch noch als solche wahrnimmt und sich ans Entschlüsseln stürzt – noch besser ;-))

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