Yvonnes Reisen

What a wonderful world!

Ein perfekter Tag in Luang Prabang

Mit der Fähre von Don Det  aufs Festland, weiter mit dem Bus nach Pakse.
Etwas über drei Stunden dauert die Fahrt. Das erste Tuk Tuk geschnappt, das direkt neben unserem Bus geparkt hat – wow, ein Motorrad mit Seitenwagen. Der Sitz asiatisch schmal geschnitten. Über meinen Flug bei einer Vollbremsung mag ich gar nicht nachdenken. Doch es geht alles gut.

Kurze Zeit später erreiche ich den Regionalflughafen, eingecheckt, zum allerersten mal in meinem Leben bin ich die erste in der Maschine und schon heben wir ab, 30 Minuten vor der Zeit. Das nenne ich mal just in time.

Es regnet, als ich am Abend Luang Prabang erreiche. Dankbar für das Taxi freue ich mich auf mein Hotel und später auf mein Wiedersehen mit meinen amerikanischen Bekannten von der RiverCruse. Es ist schön, den Abend in Gesellschaft zu genießen.

Luang Prabang liegt zauberhaft auf einer Halbinsel eingebettet zwischen grünen Bergen und umrahmt vom Mekong und einem seiner Nebenarme.

Sie gehört seit 1995 zum Weltkulturerbe und ist unbestritten das kulturelle Zentrum des Landes. Ein goldenes Tempeldach reiht sich an das andere.


Daneben gibt es zahlreiche Hotels, Restaurants und Boutiquen. Traditionelle Baukunst und französischer Chique bestimmen das Stadtbild. Luang Prabang kann wohl keiner widerstehen .

Am nächsten Morgen werde ich sehr zeitig von Trommelklängen geweckt. Die Mönche und Novizen aus dem nahegelegenen Wat Xieng Thong, dem „goldenen Stadtkloster“ machen sich bereit für die morgendliche Almosengabe. Aus allen Tempeln der Stadt strömen die vorwiegend sehr jungen Männer in ihren orangefarbenen Kutten schweigend in einer langen Reihe auf die Hauptstrasse. Hier sammeln sie die ihn dargebotenen Gaben, zumeist Reis, ein. Ich schlüpfe aus meinem noch tief im Schlaf liegenden Hotel, um die Prozession in in gebührenden Abstand zu sehen. Was ich erlebe, erschreckt mich zutiefst. Statt gläubiger Einheimischer sitzen Touristen, zumeist Chinesen, auf flachen Stühlen, in einer Hand die Schüssel mit billigen Reis, der auf der Strasse verkauft wird, in der anderen Hand der Löffel, mit dem sie die pappige Masse an die Mönche verteilen. Und während sie dies tun, halten die anderen Touristen den Mönchen die Kamera direkt unter die Nase und blitzen ihnen ins Gesicht. Denn es ist ja noch dunkel … Ich schäme mich fremd und laufe leise auf der anderen Strassenseite neben der Prozession her, beobachte, wie die Mönchen regelmäßig ihre Behälter in Körben ausleeren, die auf der Strasse stehen. Ich biege mit ihnen um eine Ecke, wo bettelnde Kinder stehen, die nun ihrerseits von den Mönchen den Reis erhalten. Wir laufen durch eine schmale Strasse zurück Richtung Kloster. Hier knien Einheimischen, ehrfürchtig füllen sie mit ihren Händen liebevoll die Behälter neu. Verstört und sehr nachdenklich wandere ich allein weiter durch die nun wieder stillen Straßen.

Es ist hell geworden, als ich den Morgenmarkt erreiche, auf dem die Einheimischen ihre Waren für das Mittagessen frisch einkaufen. Salate und Kräuter leuchten in allen saftigen Grüntönen. Liebevoll werden Frühlingszwiebel zu kunstvollen Türmen aufgeschichtet. Zwischendrin wird gefrühstückt, gelacht und geschwatzt und auch ich beginne mich zu entspannen.

In einem französischen Straßencafé genieße ich Cafe au lait und frisches Baguette. Dann laufe ich zum Mekong hinunter, um mir ein Ticket für den Botanischen Garten zu kaufen. Mit dem Boot geht es ein Stück stromabwärts, um den noch recht neu angelegten Park zu erreichen. Aus einer Privatinitiative heraus, werden hier unter anderem viele Pflanzen gesammelt, die vom Aussterben bedroht sind. Themengärten, sorgsam beschriftet, schmiegen sich an einen Hügel. Von einem Aussichtspunkt genieße ich den Blick auf den Fluss und die grüne Ebene, bevor es in die Stadt zurückgeht.

Angezogen von einem kleinen Aushang, bin ich mit Novizen aus einem der Tempel für den Nachmittag verabredet. Sie wünschen sich englische Konversation, um die Fremdsprache, die sie in der Klosterschule lernen, auch anzuwenden. Die Gelegenheit packe ich beim Schopfe und schon sitzen wir zu sechst um einen Tisch herum. Einer der jungen Männer sticht heraus. Er hat die Klosterschule beendet und das Kloster bereits verlassen. Heute ist auch er nur zu Besuch hier und bricht ein wenig das Eis zwischen mir und den anderen. Sein Englisch ist exzellent. Stolz berichtet er, dass er sich auf ein Studium in China vorbereitet, doch die Aufnahmekriterien sind hart.
Die Gelegenheit nutzend, befrage ich die Novizen zu der morgendlichen Zeremonie. So erklären sie mir, dass das, was sie zwischendrin in die bereitstehenden Körbe ausleeren, keineswegs wie von mir vermutet, Müll ist. Keiner darf eine Gabe ablehnen und da sie viel zu viel Essen erhalten, sammeln sie in den Körben der Überschuss, der dann an die Bedürftigen verteilt wird. Über die Touristen lassen sie sich nicht weiter aus, doch später am Tag erfahre ich, dass ausserhalb von Luang Prabang eine große Tempelschule gebaut wird, um die jungen Männer zu schützen.
Wir sprechen über den Klosteralltag, über Schulfächer und die Regeln, die die Novizen zu befolgen haben. Fast jeder Junge geht für eine vorübergehende Zeit ins Kloster, verlassen können sie es jederzeit wieder.
Für viele, die sich die Kosten einer Schule nicht leisten könnten, ist die Klosterschule eine gute Alternative.

Ich wandere weiter von Tempel zu Tempel, bewundere die Schönheit der Bauwerke,

versinke in der Stille des Meditationsmuseums, besichtige das Nationalmuseum und gönne mir eine Pause in einem der unzähligen Cafés. Hier lerne ich Irene Heine kennen. Aus der Nähe von Stuttgart stammend hat sie sich vor vielen Jahren in Laos verliebt. Jedes Jahr verbringt sie mehrere Monate hier, um Schulprojekte auf den Weg zu bringen. Dafür hat sie in Deutschland den Verein „“Freunde Laos e.V” gegründet. Die Mittel aus Spenden und Beiträgen kommen hier eins zu eins den Kindern zugute. Beeindruckt höre ich ihr zu, frage nach und bin dankbar dafür, noch etwas mehr über das Land zu erfahren.

Die Sonne geht schon unter, als wir uns verabschieden. Sie fliegt heute noch nach Deutschland zurück, während ich zum Berg Phou Si laufe. 328 Stufen führen auf den Gipfel des Wahrzeichens von Luang Prabang. Auf dem Weg nach oben komme ich an goldenen Buddhas und kleinen Tempeln vorbei.


Den Sonnenuntergang verpasse ich ganz knapp. So sehe ich den goldorange leuchtenden Feuerball über dem Fluss nur noch auf den Kameradisplays der Anderen. Doch das hat den Vorteil, dass sich viele schon für den Abstieg bereitmachen, während ich den Ausblick von hier oben genieße.

Sobald die Dunkelheit einsetzt, verwandelt sich ein Großteil der Hauptstraße in einen stimmungsvollen Nachtmarkt mit allerlei Kunsthandwerk und schönen Dingen. Ein weiteres Mal bin ich froh, dass der Platz in meinem Rucksack sehr beschränkt ist.

Zum Abendessen bin ich mit Angie verabredet, die ich in Don Det kennengelernt habe. Wir treffen uns im Tamarind, einem Restaurant, das für seine authentisch laotische Küche weit bekannt ist. Wir werden kulinarisch aufs feinste verwöhnt und genießen den Abschluss des Tages.

Insgesamt drei Tage verbringe ich hier, lasse mich treiben und genieße die Stadt. Ich falle auf einen Touristennepp herein, als ich einen Ausflug mit einem Boot zu einer Höhle buche, doch vermutlich gehört auch das einmal dazu.

Mein israelischer Reisebegleiter aus Don Det erreicht an meinem letzten Abend Luang Prabang. Gemeinsam besuchen wir ein kleines Theater. Hier werden wir kurzweilig mit Storytelling und Musik eines traditionellen Instruments unterhalten.

Beim Abendessen verabreden wir uns erneut – diesmal in Hanoi.
Denn ich habe mich entschlossen, nach Kambodscha und Laos auch noch Vietnam zu besuchen.

Fortsetzung folgt …

 

 

Vorheriger Beitrag

Laos und die 4000 Inseln im Mekong

Nächster Beitrag

Halong-Bucht, Vietnam – ein Traum wird wahr

  1. Rose-Marie Russo

    Liebe Yvonne, kennen wir uns oder sind wir seelenverwandt?
    Es ist unglaublich aber wahr. Ich habe vor kurzer Zeit entschieden, im Herbst eine Auszeit zu nehmen und in Sri Lanka meine lang erträumte Reise zu starten. Ayurveda ist als erstes angesagt um meinen Körper und Geist wieder in Balance zu bringen, (meine letzte war im 2004), danach geht die Entdeckungsreise weiter nach Indien, Myanmar, Kambodscha und Vietnam und wer weiss noch wohin….. und was lese ich in deinem Blog? Du hast fast eine ähnliche wenn nicht fast gleiche Reise gewählt… ich freue mich schon sehr auf mein Abendteuer und ich werde deine Tipps sehr gerne annehmen. Lass es dir weiterhin immer gut gehen und vielleicht treffen wir uns mal um unsere gemeinsamen Erfahrungen, Erkenntnisse und Erlebnisse auszutauschen. Namasté Rose-Marie

    • Yvonne

      Liebe Rose-Maria, tatsächlich hat meine Zeit des Alleinreisens auch mit einer Ayurveda Kur in Sri Lanka in 2013 begonnen – also doch seelenverwandt ?
      Myanmar steht noch auf meinem Wunschzettel. Indien wird folgen, bisher war ich dafür noch nicht mutig genug. Auf der Reise habe ich jemanden kennengelernt, der mir geraten hat, mit Rajasthan anzufangen. Vielleicht mache ich das nächstes Jahr.
      Ich wünsche dir eine erlebnisreiche Reise mit vielen beeindruckenden Begegnungen und Momenten. Genieß die Zeit. Und vielleicht lernen wir uns wirklich einmal persönlich kennen. Ich würde mich freuen.
      Liebe Grüße Yvonne

Schreibe einen Kommentar

Impressum