Yvonnes Reisen

What a wonderful world!

Monat: Dezember 2017

Mein Schreibtisch am Meer – und wieder ein Jahresrückblick

Am Mittwoch bin ich umgezogen in ein Appartement ans Meer.
Zwischen zwei Bananenplantagen, am Ende einer Schotterpiste, bei der man, wenn man nicht aufpasst, direkt mit dem Auto im Meer landet, steht das weiße Haus. Zehn sehr kleine, schlichte Wohneinheiten birgt es. Eine Palme schmiegt sich dicht an die Hausmauer. Der Atlantik bricht sich unterhalb an den schroffen Felsen.

Meinen mobilen Schreibtisch habe ich so aufgestellt, dass mein Blick auf das Meer fällt, wenn ich ihn vom Laptop abwende. Heute vor einem Jahr hatte ich den Laptop mit Blick auf den Indischen Ozean aufgeklappt – der Inbegriff des Glücks für mich: einen Energieort am Meer zum Schreiben.

Und schon wieder ist es Zeit für einen Jahresrückblick. 2017 war nicht nur eines der intensivsten und spannendsten Jahre sondern auch eines, das für mich ganz besonders schnell vergangen ist.

Meine persönliche Rückschau auf dieses Jahr ist lang geworden, acht Seiten handschriftlich vollgekritzelt liegen vor mir. Es war das Jahr der „ersten Male“, mein „Ich geh-über–Grenzen-Jahr, in dem ich nicht nur in meinen Ausbildungen etwas gelernt habe, sondern weit darüber hinaus viel über mich erfahren habe. „Wer bin ich, wenn keiner zuguckt?“ Wie habe ich mich verändert?

Gar nicht so einfach, aus der Vielzahl der Erfahrungen, die wichtigsten Erkenntnisse zusammenzufassen

1. Freiheit will trainiert werden.
Sie ist nicht einfach nur da, sie will auch gesehen und gelebt werden. Es war gar nicht so einfach ein „Ich würde gern einmal“ in ein „Ich mach es jetzt einfach“ zu verwandeln. Mir selbst die Erlaubnis zu geben, viele Dinge auszuprobieren und mich nicht für eine Sache entscheiden zu müssen, war tatsächlich ein echter Lernprozess für mich.

2. „Es gibt keine Wahrheit, sondern nur Wirklichkeitskonstruktionen“
– diese These der systemischen Konstruktivisten hat mein Leben verändert. Das Wissen darüber, dass wir alle unsere eigenen Filme im Kopf haben, die nur unserer eigenen Wahrnehmung entsprechen und es damit kein Richtig und kein Falsch gibt, hat für mich vieles vereinfacht. Nicht nur im Miteinander, sondern auch im Umgang mit mir selbst. Den Blickwinkel zu verändern, wenn der Ausschnitt nicht passt, entspannt mich immer mehr.

3. Vertrauen in mich selbst und in meine Entscheidungen  haben.
Nachdem es am Anfang des Jahres noch ein „Weg von …“ war, wurde mir schnell klar, dass es viel mehr ein „Hin zu“ ist. Hin dazu, auch andere Menschen zu inspirieren, ihrem eigenen Weg zu folgen und sie dabei dann zu unterstützen. Das Handwerkszeug dazu habe ich in den verschiedenen Ausbildungen erlernt. Meine Erfüllung habe ich dabei gefunden, dass Gelernte auch anzuwenden und gemixt mit meiner Lebenserfahrung und Intuition als Coach und Trainerin meine ersten Schritte in die Selbständigkeit zu gehen.

4. Ganz bei mir selbst im „Jetzt“ zu sein.
Mein im Herbst besuchtes ZEN-Einführungsseminar wirkt nachhaltig nach. Sicher ist es wichtig und notwendig, Erkenntnisse aus der Vergangenheit zu ziehen und Pläne für die Zukunft zu schmieden. Gleichzeitig ist es der Moment, in dem wir leben, der so kostbar ist. Die pure Präsenz aus der wir Energie tanken, bewußt sind und ganz bei dem sind, was wir gerade tun.

5. Dankbar für Familie und Freundschaft zu sein.
Nur im Austausch miteinander wachsen wir. Dies ist mir in diesem Jahr besonders bewußt geworden und so bin ich glücklich über all die Menschen, die mein Leben bereichern. Glücklich über all die Gespräche, die Diskussionen, die Momente, in denen wir uns aneinander gerieben haben und die Momente, in denen wir einander einfach nur zugehört haben und für einander da waren. Vielen Dank, dass es euch gibt.

6. Dinge mit eigenen Augen sehen, um sie zu verstehen.
Die wichtigste Reise im außen war für mich in diesem Jahr mein Besuch im Heiligen Land. Tatsächlich war es mir im Vorfeld ein wenig mulmig, allein nach Tel Aviv und Jerusalem zu reisen. Heute bin ich für diese Entscheidung sehr dankbar. Nicht nur, weil die Kultur, die Mentalität der Menschen, die unterschiedlichen Religionen und die einzigartige Landschaft so beeindruckend sind, sondern insbesondere, weil ich nun einen eigenen Eindruck davon habe, was ich bisher nur aus Berichterstattungen kannte. Sicher war es nur eine Momentaufnahme, die gleichzeitig für mich so wichtig ist. Ich erinnere mich an Sami aus Jerusalem, den ich fragte: „Was erzähle ich denn meinen Freunden zu Hause über das Heilige Land“ und er mir antworte: „Erzähl ihnen, was du hier gesehen hast und lade sie dazu ein, sich ein eigenes Bild zu machen“.

7. Meine Lust am Reisen mit der Lust am Erzählen verknüpfen.
Zugegebenermaßen ist diese Erkenntnis nicht neu. Doch ist einiges in diesem Jahr dazugekommen, meine Beiträge für den Newsletter von „Big five for life“ zum Beispiel. Gerade bauen wir einen Gastblog für den Connoisseur Circle auf, in dem ich über meine Reisen berichten werde. Und ab 8. Januar wird ein Podcast an den Start gehen „Ich mach’s jetzt einfach“, in dem ich Mut machen möchte, in die eigenen Kraft zu vertrauen und Träume in die Tat umzusetzen.

Damit habe ich schon den Bogen geschlagen ins nächste Jahr, das nur noch einige Stunden entfernt ist. Ich freu mich schon riesig darauf. Ab Ende Januar geht es für einige Monate auf Weltreise – wohin genau, davon werdet ihr hier lesen ☺

Ich wünsche uns allen einen wunderbaren Start in ein großartiges 2018, in dem wir uns mutig unsere Träume erfüllen.

Eure Yvonne

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Auf der Vulkanroute

28 Tage dauert es, bis sich neue Gewohnheiten manifestiert haben. Heute ist ein guter Moment, eingeschlafene Rituale wieder zu erwecken und so ist der 1. Weihnachtsfeiertag auch Tag 1 von 28, an dem ich meiner Meditation und einer Yoga-Einheit nachgehe. Mein Frühstück auf der Sonnenterrasse fühlt sich mehr als verdient an und ich plane entspannt meinen Tag.

In unmittelbarer Nähe läuft die Vulkan-Route entlang und so klappere ich kurze Zeit später mit meinen Wanderstöcken los. Erst einmal geht es schon im Ort kräftig bergan – wo genau ist eigentlich meine Kondition geblieben – bis ich am Waldrand auf den Wanderweg treffe und mich zu entscheiden habe, links zum San Antonio, 657 m hoch, oder weiter geradeaus zum Vulkan Teneguia, dessen letzter Ausbruch 1971 noch nicht so sehr lange zurückliegt.

Spontan entscheide ich mich für den steilen und steinig gerölligen Aufstieg zum San Antonio. Schon beim Hochklettern grüble ich über den Abstieg nach, der noch immer meine Achillesferse ist. Oben angekommen amüsiere ich mich ein wenig über die vereinzelten Fahrzeuge auf dem angrenzenden Parkplatz – es geht auch weniger schweißtreibend, sicher aber bei weitem nicht so schön.

Ich betrete den Kraterrand und bestaune die Kiefern, die sich in dem erloschenen Krater angesiedelt haben. Immer wieder an diesem Tag werden mir die wunderbaren Farbkompositionen auffallen: das Schwarz der Lava im Einklang mit dem Grün der Bäume, dem Blau des Himmels und des Meeres, das fast ständig am Horizont sichtbar ist. Genaugenommen ist die Lava auch niemals tiefschwarz, sie funkelt in allen Facetten. Je nachdem wie das Sonnenlicht auftrifft sehe ich rote, blaue oder braune Töne aufblitzen.

Von der Spitze des Vulkans habe ich freien Blick auf den jüngsten Vulkan hier auf der Insel, dem Teneguia. Von hier aus scheint er so nah, dass ich beschließe, meinen Weg dorthin fortzusetzen.

Zunächst wartet allerdings der Abstieg auf mich. Ich erinnere mich an meinen Zen-Lehrer und seine Aussage: „Nicht das Ich denkt die Gedanken, sondern durch die Gedanken entsteht das Ich“. Eine gute Gelegenheit, dies einmal auszuprobieren. Ich erfinde mich einfach neu – mit Mut statt Angst und schaffe es tatsächlich innerhalb kurzer Zeit wieder auf dem Waldweg anzukommen.

Das Universum belohnt mich mit einem grandiosen Ausblick. Mit weiter Brust und langen Schritten erreiche ich den Teneguia. Im Hinblick auf die Zeit lasse ich ihn heute links liegen und klettere den schmalen Pfad hinab Richtung Meer. Immer neue Formen der schwarzen Lava fesseln mein Auge. Der Weg ist das Ziel. Die Landschaft fasziniert mich so sehr, dass ich ständig einen Fotostopp einlege. Doch keines der Bilder wird dem tatsächlichem Anblick gerecht.

Eine ganze Weile später erreiche ich die Strasse. Von hier fährt ein Bus zurück, verrät mir ein Paar, das mir entgegenkommt. Doch ich habe mich schon anders entschieden. Gemäß meinem Routenplaner wandere ich entspannt die fünf Kilometer auf der Landstraße zurück. Was mich dabei allerdings ein wenig verwundert, ist die Richtung, in der er mich schickt – entgegengesetzt der, in der ich mein Quartier vermute. Schlau wäre auch gewesen, den Hinweis „Route beinhaltet unbefestigte Strassen“ ernst zu nehmen, denn nach der nächsten Biegung schickt mich Google Map zurück auf den Berg … Keuchend erreiche ich die Anhöhe und werde für meine Ausdauer belohnt. Ich befinde mich im Weinanbaugebiet von Las Machuqueras. Eigentlich würde niemand, der bei gesundem Menschenverstand ist, daran denken, hier etwas anzubauen, doch die große Anzahl von Parzellen, die mein Auge erblickt, lehrt mich etwas anderes. Jede Rebstockreihe hat hier ihre eigene kleine Schutzmauer, um sich vor dem ständig wehenden Passatwinden zu schützen. Tief beeindruckt quere ich die Landschaft und freue mich darauf, den hiesigen Wein bald zu kosten.

Während des letzten Kilometers plane ich bereits meine morgige Tour. Blöd nur, dass mein Quartier deutlich unter dem Niveau des Wanderwegs liegt. Und so steige ich vorsichtig die 90 Grad steilen Pflasterstraßen wieder hinab, nicht ohne die Katze zu beneiden, die mir auf ihren vier Beinen graziös zeigt, wie der Abstieg auch ausssehen kann …

Am nächsten Morgen ist auch der Muskelkater hellwach, er zwickt und zwackt mich – doch jede neue Gewohnheit braucht 28 Tage zum manifestieren. Meditation ist ja noch leicht, die Yoga-Einheit danach – hüllen wir einfach den Mantel des Schweigens darüber.

Heute führt mich mein Weg erst auf den Teneguia und danach hinunter zum Leuchtturm und zu den Salinen. So der Plan.

Zunächst erreiche ich den Roque de Teneguia, einen beeindruckenden Felsen, an dem einmal eine heilige Quelle entsprungen sein soll,

Intuitiv zieht es mich zu ihm hin, wohl wissend, dass ich den ganzen Weg hinunter auch wieder hoch laufen muss. Doch es ist fast Magie, ich kann mich nicht wehren. Unten angelangt, treffe ich eine Schweizerin, die mir verrät, dass auch von hier ein Weg zum Teneguia führt. Sie verschwindet hinter dem Felsen und läßt mich allein. Vorsichtig klettere ich ihr nach – tatsächlich gibt es hier eine alte Wasserleitung, auf der man laufen kann. Doch da ist sie wieder meine Angst, die mich einen Augenblick daran hindert, weiterzugehen. Und dann erkenne ich sie einfach an – als Seite an mir, die mich schützen will und daher auch wichtig ist. Gleichzeitig erkenne ich, dass sie mich schon lange nicht mehr  lähmt. Dass ich auch mit der Angst alles erreiche, was ich mir vornehme Durch sie hindurch gehe, mir nichts versage, was ich erleben möchte und dass sie daher auch bleiben darf. Was für eine Hammer-Erkenntnis.



Auch wenn ich nicht sehr elegant auf der Wasserleitung lande, ich komme an- und nur das zählt. Kurze Zeit später erreiche ich den Teneguia, spüre die Wärme, die er immer noch ausstrahlt und genieße den Moment.


Später steige ich ab bis zum Meer, erreiche den Leuchtturm und die Saline, in der heute noch immer das Salz per Handarbeit abgeschöpft wird.

 

Einen Café con leche und einen kleinen Imbiss später ist die Entscheidung über den Rückweg zu treffen: die gestrige Strecke oder wieder zurück zum Teneguia, um den Weg aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen. Ich entscheide mich spontan für letzteres und kraxle wieder nach oben. Es ist schon Nachmittag, als ich  auf Höhe des Vulkans ankomme. Außer mir ist niemand hier und plötzlich höre ich es ganz deutlich: die absolute Stille – nur durchbrochen durch meine lauten Gedanken. Ich konzentriere mich auf meinen Atem, versuche, die Gedanken loszulassen – Gehmeditation – und lache plötzlich laut auf. Ein Jogger überholt mich strahlend, in seinen Händen rechts und links kleine Gewichte, als ob ihm die Anstrengung noch nicht genügt. Ich hatte bereits darüber gelesen, dass hier jährlich ein Berg-Marathon stattfindet und Training dafür gehört sicher dazu – und: hat mich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt…


In meinem ganz eigenen Tempo erreiche ich mein Appartement und bin ganz erfüllt von den Eindrücken des Tages.

La Isla bonita …

…so wird sie genannt oder auch „Isla verde“ – grüne Insel.
Gemeint ist damit La Palma, die fünftgrößte der Kanarischen Inseln und in diesem Jahr Ziel meiner Weihnachtsreise.

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